Pressetexte
Wissensmanagement bei Sembach
Für Unternehmen, in denen über viele Jahrzehnte technisches Spezial-Know-how angesammelt wurde, ist das Wissen der Mitarbeiter ein zentraler Produktionsfaktor. Die Weitergabe und Verteilung dieses Wissens ist entscheidend für die Innovationsfähigkeit und somit die Zukunft des Unternehmens. Daneben ist bei den Mitarbeitern die positive Einstellung zu Veränderung unabdingbar, damit Innovation auch tatsächlich entsteht. Vor dieser Herausforderung stand Sembach, ein führender Hersteller technischer Keramik im mittelfränkischen Lauf a.d. Pegnitz.
Technische Keramik gehört zu den Dingen, die wir täglich benutzen, ohne sie bewusst wahrzunehmen. In Autos, Elektro- und Medizintechnik, Pumpen, Flugzeugen und Hausgeräten verrichten Bauteile aus diesem Material ihre Dienste, um nur einige Beispiele zu nennen. Schon heute dringt Keramik in Einsatzgebiete vor, die bislang Metallen vorbehalten waren, beispielsweise als Schneidwerkzeuge und im Motorenbau. Auch im Zukunftsmarkt Raumfahrt spielt der Werkstoff eine wichtige Rolle.
Ein High Tech-Unternehmen mit Tradition
Zu den Vätern der technischen Keramik zählt Oskar Sembach, der um die Jahrhundertwende maßgeblich an der Entwicklung des heute noch gebräuchlichen Trockenpressverfahrens zur Herstellung von Steatitformteilen beteiligt war. 1904 gründete Oskar Sembach die Speckstein-Steatit-Gesellschaft mbH und schuf damit die Keimzelle der westdeutschen Steatitindustrie in Lauf a.d. Pegnitz. Dort ist heute noch das Zentrum dieser Industrie, darunter Unternehmen, die von ehemaligen Sembach - Mitarbeitern gegründet wurden. Sembach selbst beschäftigt heute etwa 410 Mitarbeiter und ist nach wie vor ein Keyplayer in diesem technischen Spezialmarkt.
Rohstoff vom anderen Ende der Welt
Das Herstellungsverfahren beruht zu großen Teilen auf dem Rohstoff Speckstein, der heute hauptsächlich aus Australien bezogen wird. Der Rohstoff wird gemahlen, entwässert, optimiert, je nach Anforderungsprofil mit anderen Stoffen versetzt und anschließend weiterverarbeitet. Neben den bereits erwähnten Trockenpressen entstehen die Formteile durch Extrudieren oder Spritzgießen. Die „grünen“ Formteile werden dann in vollautomatischen Öfen bei bis zu 1800 Grad Celsius gebrannt. Bei Bedarf folgt anschließend die Veredelung: Glasieren ergibt harte, glatte Oberflächen in Wunschfarbe, Metallisieren ermöglicht es, die Teile zu verlöten, Silikonisieren führt zu wasserabweisenden Oberflächen. Ist besonders präzise Maßhaltigkeit gefordert, werden die Werkstücke auch geschliffen, gebohrt, gefräst oder geläppt.
Spezialisten prägen das Unternehmen
In der langen Unternehmensgeschichte der Firma Sembach wurde großes Fachwissen in der Produktion gesammelt. Dabei ist der Herstellungsprozess an sich heikel genug. Die Presslinge verändern beim Brennen nicht nur ihre chemischen und physikalischen Eigenschaften, sondern werden auch erheblich kleiner. Da die fertiggebrannten Teile wiederum innerhalb enger Toleranzen maßhaltig sein müssen, Formen, Wandstärken und andere Faktoren aber die Veränderungen beim Brennen beeinflussen, ist der gesamte Produktionsprozess sehr komplex und nur mit großer Erfahrung zu beherrschen. Folgerichtig bestehen der Maschinenpark fast ausschließlich aus Eigenentwicklungen und –anfertigungen, besonders Pressen und die integrierten Nachbearbeitungseinrichtungen. Auch Presswerkzeuge und vieles mehr entstehen im Eigenwerkszeug- und Vorrichtungsbau.
Ausgelöst wird die Produktion i.d.R. durch eine konkrete Anfrage durch Anwender. Anschließend werden Werkzeuge und Musterstücke angefertigt. Nach Erstmustervorstellung und der Freigabe läuft die Serienfertigung an. Die in den Fertigungsprozess eingebundene Qualitätssicherung überprüft die laufenden Serien ständig auf Dimensionen, chemische und physikalische Kennwerte. Mit großer Präzision und Know-how in der Fertigung. Qualitätskontrolle sowie DIN ISO 900 I – Zertifizierung ist es Sembach gelungen, zum A-Lieferanten großer Unternehmen (z.B. Bosch-Siemens Hausgeräte) zu werden. Dieser begehrte Status und die damit verbundene Marktposition soll natürlich durch laufende Verbesserung der Betriebsprozesse erhalten und ausgebaut werden.
Motiviertes Wissen weitergeben
1998 übernahm der Urenkel des Firmengründers, Dipl.-Ing. Martin Sembach, das Familienunternehmen. Er scharte eine junge Führungscrew um sich, die das Unternehmen mit modernen Management- und Arbeitstechniken fit für die Zukunft machen werden. Zentrales Anliegen war, Mitarbeiter in Schlüsselpositionen zu befähigen, betriebliche Veränderungsprozesse motiviert anzugehen und strukturiert umzusetzen, um die Marktposition des Unternehmens nachhaltig zu stärken. Dabei sollten die Meister, die die Fertigungsabteilungen leiten und teilweise 30 Jahre und länger dem Unternehmen angehören, nicht überrollt, sondern einbezogen und aktiv in ihrer Rolle gestärkt werden. Um sie mit modernen Führungstechniken vertraut zu machen und in die Lage zu versetzen, gezielt Nachwuchsführungskräfte aufzubauen, sahen sich der Leiter der Fertigung, Wolfgang Wegner und der Controller, Stefan Hörl, nach einem Partner um, mit dem gemeinsam ein Kommunikations- und Führungskräftetraining konzipiert und umgesetzt werden sollte. Dabei war klar das Seminare „von der Stange“ nicht in Frage kamen. Einmal ,weil es gar nicht möglich gewesen wäre, die Zielgruppe länger dem Produktionsprozess zu entziehen. Andererseits, weil die Inhalte natürlich auf die spezielle Situation bei Sembach ausgerichtet sein sollten. In der Gruppe der Anbieter entschied man sich für die Unilog Integrata Training. „Ausschlaggebend“, so Wolfgang Wegner, „war für uns das didaktische Konzept sowie die Möglichkeit, die Trainingseinheiten außerhalb der Produktionskernzeiten durchzuführen. Aber auch das Preis-/Leistungsverhältnis hat natürlich eine gewichtige Rolle gespielt“. Der Leiter des Unilog Integrata Trainingszentrums Nürnberg, Christian Rust: „Sembach war für uns eine echte Herausforderung. In einem hochkarätigem Hightech-Unternehmen die erfahrenen Meister mit modernen Führungsinstrumenten vertraut zu machen, ist eine besonders anspruchsvolle Aufgabe. Auch das Konzept mit kurzen, entzerrten Bausteinen war für uns sehr ungewöhnlich.“
Fünf Bausteine und ein Trainer mit Background
Mit Georg Mach übernahm ein erfahrener Trainer das Projekt. Gemeinsam ging man nun daran, das Konzept umzusetzen, das fünf zweitägige Bausteine mit genügend Abstand zur Festigung des Gelernten vorsah:
Baustein 1: Motivation, Sensibilisierung, Reflexion ;
Baustein 2: Führungskompetenz und Kommunikationsverhalten;
Baustein 3: Führungstechniken;
Baustein 4: Team Management;
Baustein 5: Die persönliche Unternehmensvision;
Georg Mach zu den Zielen dieses Projektes: “ Wissensmangement und Prozessoptimierung haben viel mit Kommunikation zu tun. Um Kommunikationsverhalten – eigenes und das anderer – erkennen und auch verbessern zu können, wollten wir zunächst Grundlagen der Kommunikation vermitteln und so Verständnis für das Verhaltend der Kollegen schaffen. Wenn ein Unternehmen Abläufe und Prozesse optimiert, ist auch mit emotionalen Widerständen zu rechnen. „Um mit solchen Widerständen umgehen zu können muss man sie erkennen.“ Wolfgang Wegner, Produktionsleiter bei Sembach: „ Wir wollten zunächst die Notwendigkeit des Wissenstransfers und von Veränderungen generell bewusst machen. Die Teilnehmer sollten ihre persönliche Verantwortung für diese Veränderung wahrnehmen und akzeptieren, denn solche Veränderungen können nur gelingen, wenn die Mitarbeiter selbst Initiative ergreifen und Ideen für die Praxis selbst entwickeln. Ziel war, den Teilnehmern ihre Rolle und ihre Verantwortung zu verdeutlichen und ihnen Techniken an die Hand zu geben, mit denen sie selbst motiviert Prozesse gestalten können. Besonders wichtig erschien und auch, Teammanagement zu vermitteln, den das fertige Produkt für den Kunden entsteht als Arbeitsergebnis mehrerer Abteilungen.“
Erste Ergebnisse und ein vorläufiges Fazit
Die ersten Trainingstage und die Rückmeldungen der Teilnehmer bestätigten, dass der eingeschlagene Weg der richtige war. Georg Mach: „Die erfahrenen Abteilungsleiter sahen, dass das Veränderungsprojekt nicht über ihre Köpfe hinweg mit ihren jüngeren potentiellen Nachfolgern angegangen wurde, sondern das sie selbst drin die zentrale Rolle spielten. „Das gab ihnen einen erkennbaren Motivationsschub.“ Den Projekterfolg beschreibt Wolfgang Wegner: „Die Veränderungen sind spürbar, das bestätigen uns viele Mitarbeiter. Heute setzt man sich zusammen, um gemeinsam nach Fehlerquellen und Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen. In einigen Abteilungen laufen bereits eigene interne Projekte. Die gemeinsame Verantwortung für das Produkt ist in den Köpfen verankert und sichert den Kunden die Spitzenqualität, die sie von Sembach erwarten.“ Einig sind sich die Projektverantwortlichen bei Sembach und Unilog Integrata Training über die Grundlagen des Projekterfolges: die enge Abstimmung im Vorfeld, die frühzeitige Einbindung der Beteiligten, die genaue Situationsanalyse, das Maßgeschneiderte Konzept und schließlich die qualifizierte Umsetzung. Wolfgang Wegners Fazit: „Das Projekt bedeutet für uns als mittelständiges Unternehmen erhebliche Kosten. Wir haben bewusst in die Zukunft des Unternehmens investiert, damit Sembach an der Spitze bleibt. 100 Jahre Erfahrung sind schließlich auch eine Verpflichtung.“ Den eingeschlagenen Weg will man in jedem Fall weitergehen; die nächsten Projekte werden gerade geplant.
Quelle: Uniog Integrata Training AG- a LogicaCMG company - Training News / August 2001

