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25.04.2005

Oskar-Sembach-Realschule: Namenspatron als Schülervorbild


Standortmagazin 2000

LAUF (fi) — Das Kind hat einen Namen: Aus der Staatlichen Realschule Lauf wurde gestern ganz offiziell die „Oskar-Sembach-Realschule“. Im Rahmen eines äußerst unterhaltsamen Festaktes in der vollen Turnhalle und in Anwesenheit der ganzen Unternehmerfamilie Sembach überreichte Kultusstaatssekretär Freller Schulleiter Rektor Eugen Fleischmann, die Namensurkunde.

 

Dass man mit der Wahl des Namen einen sehr guten Griff getan hatte, zeigte sich bereits im Vorfeld des Festaktes: Alle Schulgremien, von den Schülern, über die Lehrer bis zu den Eltern, alle beteiligten Behörden, vom Landratsamt bis zum Ministerium und die direkt Betroffenenen, die Stadt Lauf und die Unternehmer-Familie, konnten sich ohne Diskussionen mit dem Begründer der Steatit-Industrie in Lauf anfreunden. Vor 100 Jahren, 1904 genau, hatte Oskar Sembach sein Unternehmen in der Stadt gegründet und mit dem Verfahren des Trockenpressens von Keramik-Pulver (das heute noch Standard ist) die Herstellung technischer Keramikteile revolutioniert.

Dass es dieses Unternehmen noch heute gibt, dass „Sembach“ einer der größten Arbeitgeber in der Stadt ist, innovativ und robust, weltweit agiert und dabei als klassisches Familienunternehmen dem Standort Lauf die Treue hielt und hält, auch das war maßgeblich dafür, dass sich die Realschule, früher Wirtschaftsschule, gerne mit diesem Namen schmücken wollte. Und da hatten eben Ludwig Erhard oder Pamela Anderson (wie in der sehr launigen Begrüßungsrede angemerkt wurde) eben gar keine Chance.

 

Mit dem Namen „Oskar-Sembach-Realschule“ wird der lokale Bezug hoch gehalten, die wichtige Beziehung „Wirtschaft-Schule“ kommt deutlich zum Ausdruck und mit der vom Unternehmen angebotenen Zusammenarbeit zwischen Sembach und Schule wird dem Anspruch einer „lebendigen Partnerschaft“ in jeder Beziehung Rechnung getragen. Weiter ist der Name einmalig, gibt der Schule eine eigene Identität.

Alle diese Vorzüge und Gemeinsamkeiten wurden in den Reden der Ehrengäste, angefangen von Staatssekretär Freller, über Landrat Reich, Bürgermeister Pompl bis zum Sembach-Geschäftsführer Martin Sembach, überdeutlich. Harmonie pur beim Festakt, eine klassische „Win-win-win-Situation“, bei der sich Vorteile für alle Beteiligten ergeben, hat ihr Beispiel in Lauf gefunden.

 

Und die Schule, die 2004 ihr 50-jähriges Bestehen feierte und fast 900 Schüler unterrichtet, nutzte die Gelegenheit, sich den über 100 geladenen Gästen aus Politik und Gesellschaft, Schule und öffentlichem Leben von ihrer besten Seite zu zeigen. Allein die Begrüßungsrede setzte gestern Maßstäbe für künftige Festakte und Jubiläen. So lang die Litanei der Namen, angefangen von den Abgeordneten Mortler, Eckstein, Beyer, über Bürgermeister und Behördenvertreter bis zu Schulleitern aus der Umgebung war, so kurzweilig wurde sie als Sketch dargeboten. Die Schülersprecherinnen Lara Pyko und Alina Zimmermann standen im Mittelpunkt, fanden zu jedem Gast ein schönes Attribut, und ließen Schulleiter Fleischmann und Elternsprecher Behringer im unterhaltsamen Zwiegespräch allenfalls noch mitkommen. Die Begrüßung wurde immer wieder unterbrochen durch Informationen zum Namensgeber und zum Unternehmen und es wurde in lockerem Ton über die neue Beziehungen räsoniert: Von Vernunftehe und Zweckbündnis war ebenso die Rede wie von Adoption und Pflegefall, von Namenstag, Hochzeit und Taufe... Für unterhaltsame Unterbrechungen und den Zusammenhalt des Festaktes zugleich sorgten die Bigband und der Chor, die Theatergruppe und das schuleigene Radio, die „Oskar-Tunes“. Und auch dafür, für den tollen Sound und die witzigen Interpretationen der Namensfindung, gab es viel Beifall und Lob. So versprach Staatssekretär Freller, seinem neuen Chef, dem Kultusminister Schneider, den er noch am Nachmittag treffen wollte, nicht nur die besten Grüße aus Lauf zu übermitteln, sondern ihm auch von einer gleichermaßen lebendigen musikalischen Schule berichten wie davon, dass die Oskar-Sembach-Realschule in Sachen Bildung ganz allgemein und solide berufsorientiert speziell, ihre Hausaufgaben gemacht habe. Nicht zuletzt auch, indem man sich einen ebenso erfolgreichen und sozial denkenden Unternehmer als Vorbild erwählt hat. Es tue gut, so Freller, zu sehen wie mit dem Betrieb Sembach und seinem Bekenntnis zu Lauf ein Unternehmen Verantwortung für die Stadt und die Region übernehme, als Familienunternehmen für den Mittelstand stehe und immer noch für anderes ansprechbar sei und nicht nur nach dem Aktienkurs schiele...

Umgekehrt, so zeigte sich der Staatssekretär überzeugt, habe die Schule in Lauf ganz speziell und die Realschulen ganz allgemein auch viel für die Wirtschaft zu bieten. Die R6 habe sich längst als hervorragende stabile Schulform etabliert, „es war sehr gut dass wir sie eingeführt haben, das war eine echte Aufwertung“. Schule und Wirtschaft, das sei ein Packt auf Gegenseitigkeit...

 

Geschäftsführer Martin Sembach, der wie die beiden Senioren des Unternehmens Erdmann und Hartmut Sembach, die Namensgebung von der ersten Minute an unterstützt hat, blickte dann kurz in die Geschichte des Unternehmens, das sein Urgroßvater gegründet hatte. Es sei schon richtig, dass Oskar Sembach mit dem Verfahren des Trockenpressens von Steatit (Keramik-Rohstoff) die Basis für die ganze technische Keramik in Lauf gelegt habe.

„Mein Urgroßvater wäre mächtig stolz, wenn er wüsste, dass sein Name nun auch für eine Schule steht“, so Martin Sembach. Nicht zuletzt deshalb stehe seine Firma voll und ganz hinter der Realschule, werde sie fördern soweit es gehe. Bezogen auf sein Haus blickt Martin Sembach positiv in die Zukunft. Dabei werde man zwei Maximen folgen: Sembach - hier werden jährlich 800 Millionen Teil für alle Elektrogeräte der Welt produziert - ist ein echtes Familienunternehmen und soll es bleiben. Und Sembach wird dem Standort Lauf die Treue halten. Vielleicht agiere man gegen den Strom, wenn man nicht in Billig-Lohnländer ausweiche, so der Geschäftsführer, „wir tun dies mit Erfolg und sind überzeugt, hier kann man auch in Zukunft produzieren“.

 

Als denkwürdigen Tag bezeichnete Landrat Reich die Namensverleihung für die Laufer Realschule. Den Schülern legte er ans Herz, dem Namenspatron, der ein leuchtendes Beispiel für Unternehmertätigkeit zum Nutzen aller gewesen sein, nachzueifern. Ähnlich äußertes sich auch Bürgermeister Pompl, der sich einen Impuls aus dem Festakt heraus wünscht. Schließlich sei Oskar Sembach eine faszinierende Persönlichkeit gewesen, kreativ, risikobereit, gesellig und sozial.

In seinem Sinne sollte man Bildung neu denken lernen, empfiehlt Bürgermeister Pompl: als ganzheitliche Entwicklung der Persönlichkeit.

Im Zusammenhang mit der Namensverleihung lädt die Oskar-Sembach-Realschule heute und morgen Abend jeweils um 19.30 Uhr zu einem bunten Musik- und Theaterabend in die Turnhalle.

 

25.4.2005 17:21 MEZ Pegnitzzeitung